Aktuelles aus dem Zahlungsverkehr

Erste EURO FINANCE TECH in Frankfurt

Auf der Euro Finance Week diskutierten am 19. November erstmals Fintechs, klassische Banken, Regulatoren und IT-Unternehmen über die Zukunft der Fintechs, insbesondere am Fintech Hub Frankfurt.

Foto © Maleki Group / Jochen Müller

Die Suche nach Krawatten und Einstecktüchern ist vergeblich. Stattdessen zeichnen Jeans, Hemd, Jackett und Sneaker den Casual Look der Gründer und Mitarbeiter zahlreicher deutscher und internationaler Fintechs aus. Ein Gesamtbild das auf der Euro Finance Week nicht ganz gewöhnlich ist.

Doch nicht nur die Kleidung ist anders. Vorträge und Diskussionen sind fast ausschließlich in Englisch gehalten, obligatorische Stuhlreihen sind Sitzpolstern, Bänken und kleineren Tisch- und Sitzgruppen gewichen. Alles wirkt irgendwie näher und unmittelbarer, nicht nur, weil die Vortragenden teilweise in Diskussionsrunden weniger auf dem Podium als vielmehr mitten im Publikum sitzen.

Die Veranstalter der Maleki Group haben sich Mühe gegeben den Fintech Spirit in das Congress Center der Messe Frankfurt mitzunehmen. Und genau diesen Spirit möchte die Region Frankfurt/Rhein Main als Payment Hub ebenfalls ausstrahlen und damit zahlreiche Fintech Unternehmen für die Region begeistern und gewinnen.

Das erste Zusammenkommen von Startups der Finanzindustrie, klassischen Banken, IT-Dienstleistern, Investoren und Regulatoren dieser Art in Frankfurt wird von Tarek Al-Wazir, dem Minister für Wirtschaft, Energie, Verkehr und Landesentwicklung des Landes Hessen, eröffnet. Dieser kündigt an, dass neue Finanztechnologien in Unternehmen zu einem Überdenken der Geschäftsmodelle führen, und dass das Land Hessen und die Region Frankfurt alles Notwendige unternehmen werde, um diese Digitale Transformation hier entstehen zu lassen.

Frankfurt als Fintech Hub

Die Bankenmetropole sieht sich nämlich selbst als idealer Ort für die Fintech Industrie. Mit einer ausgezeichneten Logistik, zahlreichen Banken, den entscheidenden Regulatoren, Know-how und Talenten aus den umliegenden Universitäten und Hochschulen sowie interessierten Investoren habe Frankfurt alles, was man auf den ersten Blick brauche. Schauen die Teilnehmer der Diskussionen genauer hin, besteht ein mehr oder wenig breiter Konsens, dass allerdings eine geschlossene breite Community sowie ein adäquates Kommunikationskonzept fehle, um reale und digitale Plattformen für den Austausch der entscheidenden Player zu schaffen und dadurch mit anderen großen Fintech Hub Anwärtern wie London oder Tel Aviv mithalten zu können. Dass dies alles machbar ist, ist unbestritten, was bleibt ist jedoch die Frage, wer es wirklich macht und damit auch wer ad hoc mit einer Finanzierung in Vorleistung tritt.

Fintech – das gab es doch schon einmal. Was ist anders und vor allem: Was hat Zukunft?

Damals ging es allerdings um Effizienz, Automatisierung und letztlich Kosteneinsparungen. Jetzt schaffen es Innovationen der Finanzbranche, ganze Geschäftsmodelle zu verändern und wohlmöglich Teile der Wertschöpfungskette disruptiv zu beeinflussen. Doch wenn man die klassischen Banken fragt, wird nicht jede Idee mittelfristig überleben. Einige Ansätze sind schnell von den rückartig aus dem Schlaf gerissenen in einigen Sprints nachgezogen. In anderen Bereichen, wie etwa Payments, tummeln sich ohnehin zu viele Player am Markt.

Diejenigen Fintechs, die überleben, werden wohl die sein, die nicht die vermeintlichen Probleme der Bank lösen, sondern die wirklichen Probleme der Kunden. Die Frage, die sich Banken dennoch in naher Zukunft stellen müssen, ist der Umgang mit Big Data und deren Verwendung. Hier bleibt die Gratwanderung, welche Daten die Bank aus Kundensicht nutzen darf oder sogar sollte. Eine Frage, mit der auch in den Banken eine neue Kultur entwickelt werden muss.

Blockchain – das neue Zauberwort?!

Kaum ein Panel, bei dem Blockchain nicht mindestens einmal genannt wird. Die Technologie, welche durch die virtuelle Währung Bitcoin bekannt wurde, erlebt einen wahren Hype. Mit Slogans wie „the biggest innovation since the internet“ oder „completely new way of doing things” wird der Blockchain eine riesige Tragweite vorausgesagt. Welche Einsatzmöglichkeiten sie wirklich bietet und wie es mit der Regulation aussieht, wird ein spannendes Thema für die nächsten Jahre sein. Ein Rat an Banken und Unternehmen an dieser Stelle: Sie sollten die Technologie nicht nur hypen, sondern auch verstehen und sich dann fragen, was dies für das eigene Business bedeutet und wie man sich darauf strategisch ausrichten kann.

Weitere Eindrücke und Fotos der EURO FINANCE TECH 2015 finden sie hier.